„Die Wunden der Menschen berühren“


Der Tagungsort war passend für das Tagungsthema gewählt. In Lourdes, einem der weltweit meistbesuchten Marienwallfahrtsorte, versammelten sich vom 7. bis zum 10. September insgesamt 219 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Diakone, ihre Ehefrauen, Verantwortliche und Bischöfe aus 30 Ländern und 5 Erdteilen zu einer Studienkonferenz zum Thema „Heil und Heilung in einer diakonischen Kirche“.
In seinem Grußwort betonte der Protektor des IDZ, Bischof Gebhard Fürst, dass Christus selbst von den Kirchenvätern als „Medicus“ und „Salvator“ bezeichnet wurde. Heil und Heilung seien heute auf der Welt wichtiger denn je und in Lourdes finde man die Vergegenwärtigung dieses heilenden Kraft. Die Kirche brauche ein diakonisches Gesicht, dann kann sie auch aus sich heraus eine heilende Kraft entwickeln.
Das IDZ konnte zwei besondere Redner für den Kongress gewinnen. Zum einen den philippinischen Kardinal Luis Antonio Tagle, Präsident von Caritas International, der die Sicht des Tagungsthemas von römisch-katholischer Seite beleuchtete. Er stellte fest, dass es seit dem 2.Vatikanischen Konzil ein neues Denken im Dienst einer diakonischen Kirche gebe, im Zuge dessen auch der Ständige Diakonat wiederentdeckt wurde. Gerade aus der Pastoralkonstitutiion „Gaudium et Spes“ vernehme man den Ruf nach einer Menschheitsfamilie, einer Familie der Kinder Gottes, zu deren Dienst die Christen bestellt seien. Der Dienst ist das Herz der Kirche, und wenn dieser nicht durch die Liebe inspiriert sei, werde er flach. Jesus hätte seine ganze Mission als Dienst verstanden und die Fusswaschung sei das deutlichste Zeichen für diesen Dienst. Mit einem Augenzwinkern empfahl Kardinal Tagle als Geschenk für geweihte Bischöfe, Priester und Diakone eine Waschschüssel und ein Handtuch, damit diese Geste Jesu immer vor Augen bleibt. Der Dienst Jesu kam von Predigt und Heilung. Die Kirche könne im Auftrag Jesu Instrument der Heilung sein und so aktiv gegen Isolation, Teilung, Gewalt und Fremdenhass wirken, die Feinde des Gemeinschaftsgedankens der Menschheitsfamilie seien. In der Enzyklika „Evangelii Gaudium“ sei die Rede davon, dass die diakonische Kirche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter braucht, die die Wunden der Menschen berühren. Wenn wir die am Rand in die Mitte nehmen, sollten wir zu ihnen kommen wie zu Nachbarn, nicht wie die Herren zu ihren Dienern – weil wir alle verwundet sind.
Dr. Kjell Nordstokke, lutherischer Pastor und emeritierter Professor aus Oslo, ehemals Leiter der Abteilung für Mission und Entwicklung des Lutherischen Weltbundes in Genf, referierte über das Thema aus evangelisch-lutherischer Perspektive. Die Ökumene biete eine neue Chance für Heil und Heilung, für gemeinsame Schritte der Versöhnung und des diakonischen Dienstes. Die Diakonie sei ein Sozialdienst der Kirche, auf Ebene der Pfarrgemeinden aber auch in besonderen Einrichtungen. Dabei sei wichtig, die prophetische Dimension nicht außer Acht zu lassen. Diakonisches Handeln helfe zu sehen, wie sich Kirche definiert – es gehe nicht darum zu geben von dem, was man hat, sondern das zu geben, was man ist. Diakonie sei ein öffentlicher Dienst: viele Menschen hätten Jesus aufgesucht und Jesus wirkte viele Wunder auch im öffentlichen Raum. Es gehe also nicht darum, die Diakonie zu verkirchlichen. Dr. Nordstokke kritisierte den Ausschluss religiöse Termini in der Sozialarbeit, Begriffe von Heil und Heilung seien in säkularer Zeit nicht mehr so relevant. Heil und Gesundheit seien ganzheitlich zu verstehen und die Kirchen müssen den Mut zu geistiger und spiritueller Begleitung im Heilungsprozess finden. Lourdes sei ein Ort, dies zu beobachten.
Neben den beiden Hauptvorträgen wurde mit Gerald DuPont aus Houston/Texas ein neuer Präsident des IDZ gewählt und der bisherige Präsident Prof. DDr. Klaus Kießling verabschiedet.
Es gab Workshops, Diskussionen und Vorstellungen verschiedener diakonischer Projekte. Bischof Gebhard Fürst verlieh den Preis „Pro Diakonia“ an ein Obdachlosenprojekt in Brasilien, an ein Willkommenscafe im Erzbistum Liverpool und an eine Suppenküche für Arme in Simbabwe, jeweils Projekte, die von Diakonen aufgebaut und betreut werden.
Die Teilnahme an der Lichterprozession, gemeinsame Gottesdienste und der große Gottesdienst „messe internationale“ am letzten Tag machten die Tagung zu einem gemeinschaftlichen und spirituellen Höhepunkt für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Hier noch die Pressemeldung des IDZ zur Neuwahl:
Gerald DuPont aus USA neuer Präsident des IDZ
Rottenburg/Lourdes 10. September 2017
Gerald DuPont, Diakon aus Galveston-Houston (Texas/USA), ist der neue Präsident des 1965 gegründeten Internationalen Diakonatszentrums (IDZ). DuPont löst den Deutschen Klaus Kießling ab, der nach zwölf Jahren im Präsidentenamt nicht mehr kandidiert hatte. Mit DuPont steht erstmals in der Geschichte des IDZ ein Nichteuropäer an der Spitze. Schirmherr des IDZ ist Bischof Gebhard Fürst, Sitz der Geschäftsführung Rottenburg am Neckar.
Die Mitglieder des IDZ wählten ihren neuen Präsidenten am Sonntag in Lourdes im Rahmen ihrer Studientagung „Heil und Heilung in einer diakonischen Kirche". DuPont ist langjähriger Vorsitzender des US-Diakonenverbandes und hat in dieser Funktion, weltweit einmalig, einen Sitz in der US-amerikanischen Bischofskonferenz. Zu IDZ-Vizepräsidenten wählten die Mitglieder Gilbert de Lima (Indien) und Mark Woods (Großbritannien). Montserrat Martinez (Spanien) vertritt im Vorstand die Ehefrauen der Diakone. Geschäftsführer des IDZ bleibt Stefan Sander (Osnabrück/Rottenburg).
Als Delegierte bestätigten die Mitglieder des IDZ Miguel Angel Ortiz Corrales (Kuba), Charles Dube (Simbabwe), Martin Brunner-Artho (Schweiz) und Terttu Pohjolainen (Finnland).
Neu zu Delegierten gewählt wurden Benas Ulevicius (Litauen), Marie-Francoise Mascent-Hanquet (Frankreich), Nick Kerr (Australien), Erik Thouet (Deutschland), Edwin Ng (China) und Alberto Magno Cavalho de Melo (Brasilien).


