Predigt von Erzbischof Stephan Burger anläßlich der Jahrestagung

Hören, Verstehen und Gehorchen im Sinne Gottes
Hier eine inhaltliche Zusammenfassung der Predigt:
Die Berufungsgeschichte: Ein persönlicher Ruf Gottes
Jeder Mensch trägt eine individuelle Berufungsgeschichte in sich, die durch eine Berührung oder Ansprache Gottes beginnt.
Ein Beispiel ist Samuel, der dreimal gerufen wurde und erst durch die Anleitung des erfahrenen Priesters Eli verstand, dass Gott direkt mit ihm in Kontakt treten wollte. Dies wird als eine Berufungsgeschichte der besonderen Art beschrieben.
Häufiger geschieht die Ansprache Gottes auf indirekte Weise, durch andere Menschen, bestimmte Begebenheiten oder Ereignisse, die dazu führen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, „was Gott von uns, von mir will.“
Schritte und Prüfungen auf dem Weg der Berufung
1. Erkennen des Rufes: Zunächst muss die göttliche Ansprache wahrgenommen werden.
2. Austausch und Beratung: Es ist notwendig, Personen zu haben, mit denen man sich besprechen und unterhalten kann, um den Umgang mit dem Ruf Gottes zu erlernen.
3. Prüfung und Läuterung: Eine Berufung beinhaltet oft Phasen der Prüfung und kann eine Läuterung erfordern.
4. Klarheit des Ursprungs: Es muss eindeutig werden, dass es sich um den Ruf Gottes handelt, der zur In-Dienst-Nahme für sein Werk führt.
5. Zurückstellung eigener Wünsche: Die eigenen Vorstellungen und Wünsche müssen dabei zurücktreten.
Samuels grundlegende Haltung
Auch wenn die kirchliche Anerkennung und Bestätigung einer Berufung erfolgt, bleibt die Haltung Samuels entscheidend und unerlässlich: „Rede, Herr, dein Diener hört.“
Diese Einstellung ist von großer Bedeutung, um zukünftig nicht den eigenen Vorstellungen und Egoismen Raum zu geben.
Der Weg zum Gehorsam: Hören, Verstehen, Gehorchen
Um Gottes Willen zu erkennen und zu folgen, ist ein aktiver Prozess des Hörens und Verstehens erforderlich, der in Gehorsam mündet.
Der dreistufige Prozess
1. Hören und Horchen lernen: Es ist unerlässlich, immer zuerst auf Gott zu hören, ihm zuzuhören und das Horchen aktiv zu lernen. Dies wird als ein ganz aktives Bestehen beschrieben.
2. Verstehen: Aus diesem bewussten Horchen entwickelt sich das Verstehenwollen und Verstehenkönnen.
3. Gehorchen: Aus dem Verstehen folgt der logische nächste Schritt: das Gehorchen.
Der Begriff Gehorsam, der oft negativ belegt ist, wird hier bewusst verwendet, um die Hingabe an Gottes Willen zu betonen. Es handelt sich nicht um einen blinden Gehorsam oder „Kadaver-Gehorsam“, der das eigene Denken und Fühlen außer Acht lässt. Vielmehr ist es ein Gehorsam, der das eigene Fühlen, Denken, Reflektieren und Abwägen ausdrücklich berücksichtigt.
Trotzdem ist das eigene Denken und Fühlen nicht der alleinige Maßstab. Es geht nicht um „das, was ich will, sondern was Gott will.“ Dieser Gehorsam wird im Beten und im Verweilen bei Gott gefunden und erhält von Gott selbst die Kraft für seine Umsetzung. Der Dienst soll „von Herzen kommen und zu Herzen gehen.“*
Der diakonische Dienst: Liebe zu Gott und dem Nächsten
Der diakonische Dienst, verstanden als Dienst des Diakons, wurzelt im Gehorsam gegenüber Gott und manifestiert sich als umfassender Dienst am Nächsten und an Christus, motiviert durch Liebe.
Als anschauliches Beispiel für die Ausgestaltung des Dienstes werden drei Ikonen aus einem Caritas-Zentrum in der Ukraine genannt, die das gesamte Caritas-Programm und den Dienst am Nächsten eindrücklich vermitteln:
1. Ikone: Die Fußwaschung: Der Dienst der Demut, sich für andere klein zu machen, und die Hilfe zur Befreiung von Schmutz – sowohl körperlich als auch geistig.
2. Ikone: Der barmherzige Samariter. Die Frage ist: „Wer ist mein Nächster? Wem werde ich zum Nächsten? Der Dienst zur Heilung und zur Linderung von Leid – ebenfalls körperlich und geistig.
3. Ikone: Die Brotvermehrung: Der Dienst zur Linderung und womöglicher Beseitigung von Not und Hunger in der Welt, um ein gutes Leben zu ermöglichen – verstanden als körperliche und geistige Dimension.
Diese Handlungsanweisungen richten sich nicht nur an Diakone, die durch die Weihe gestärkt werden, sondern sind umfassend für alle zu verstehen, die sich in die Nachfolge Jesu begeben haben. Es ist ein umfassender Dienst am Nächsten und ein Dienst an Christus, aus Liebe zu ihm.
Der Dienst am Nächsten:
Hilfe zur Befreiung von Schmutz (körperlich wie geistig).
Sich für andere, für den Nächsten, klein zu machen.
Beitrag zur Heilung (körperlich wie geistig).
Mithilfe zur Linderung und womöglich Beseitigung von Not und Hunger in dieser Welt, um ein gutes Leben zu ermöglichen (körperlich wie geistig).
Dazu gehören auch die eucharistische, liturgische und sakramentale Dimension.
Ähnlich wie Jesus selbst Ruhe und Erholung in der Gemeinschaft mit seinem Vater suchte, kann unser Dienst nur dann Kraft und Gewinn erfahren, wenn wir uns in der Gemeinschaft Gottes getragen wissen. Christus selbst ist der Sinn und das Ziel. Durch sein Erlösungswerk und die Verkündigung erhalten wir Menschen das Heil und wir dürfen daran mitwirken.
Das Wachstum in der Berufung ist ein unaufhörlicher Prozess, der tägliches Hören und Gehorchen erfordert.
Das Wachstum, wie es bei Samuel beschrieben wird („Samuel wuchs heran und der Herr war mit ihm.“), ist für alle Dienenden ein fortlaufender Prozess. Entscheidend bleibt immer wieder, jeden Tag aufs Neue Hörer des Wortes Gottes zu sein.
Es gilt, unabänderlich und unaufhörlich zu lernen, zu hören und zu horchen, um Gottes Willen gehorchen zu können.
Nur durch dieses kontinuierliche Hören und Gehorchen wird der Dienst zu einer erfüllten Berufung, die dem Nächsten dienlich ist und damit dem Reich Gottes dient.
Dank und Auftrag: Friedensstifter sein
Bischof Burger dankt den Diakonen und allen Anwesenden dafür, dass sie ihrer Berufung gefolgt sind, sich in den Dienst nehmen lassen und dieses Zeugnis in eine Welt tragen, die diesen Dienst dringend und nötig braucht. Er spricht seinen Dank für die Mitwirkung am Aufbau des Reiches Gottes und damit auch am Frieden in dieser Welt aus.
Von Herzen werden Gottes Kraft und sein reicher Segen für den weiteren Weg gewünscht.
In der Gemeinschaft mit Gott werden wir zu Friedensstiftern, dies entspricht dem Motto der Jahrestagung: „Geht hin und bringt den Frieden.“
Jeden von uns darf jedoch sehr wohl eine heilsame Unruhe begleiten, um weiterhin bei Gott und mit Gott unterwegs zu sein. Diese gute Unruhe (in diesem Sinne passt auch das Wort „Störenfried“) soll auch in andere Herzen hineingetragen werden, und man soll sich unaufhörlich von Christus und seinem Frieden bewegen und antreiben lassen.