Rezension des Buches "Der Diakonat. Geschichte und Theologie"

von Prof. em. Dr. Bernd Jochen Hilberath
Dieser Sammelband geht zurück auf eine Tagung von 2014, die jetzt (nach einer italienischen) auch in deutscher Fassung, ergänzt durch ein Nachwort und einen Literaturnachtrag, erscheint. Alle Beiträge verfolgen eine eindeutige Intention, nämlich „dass der Diakon zum Weihesakrament gehört, zum Amtspriestertum, und auf seine Weise (begründet im sakramentalen Charakter) Jesus Christus als Haupt der Kirche vertritt“ (so M. Hauke zusammenfassend auf S. 393), so dass „sein Amt … jedenfalls zu einer klar bestimmten Hierarchie [gehört], die in ununterbrochener Kontinuität steht zur Zeit der Apostel“ (S. 391). Der Diakonat bildet also die dritte Weihestufe, dem Bischof zu-, aber auch, wie mehrfach betont wird, untergeordnet. Die Autoren (sie sind alle männlich) berufen sich auf eine theologische Linie, die in der Regel bei Thomas von Aquin beginnt, in (neu)thomistischer Literatur einschlägig weitergezogen und vor allem durch Texte des römischen Lehramtes, allen voran die von Johannes Paul II., mit Autorität versehen wird. Charakteristisch für die entsprechende theologische Methode ist das Verharren in Denkmustern und deren Terminologie. So ist „von der sakramentalen Gleichformung mit Christus im ‚unauslöschlichen Charakter‘“ (357) die Rede, Christus ist Haupt und Bräutigam, der „geweihte Amtsträger“ hat teil an der „Weihe Christi“ und ist seine Ikone. Die christologische Engführung und die damit verbundene Leib-Christi-Ekklesiologie verringern die gerade gnadentheologisch unverzichtbare Differenz zwischen Christus und der Kirche und vernachlässigen die notwendige pneumatologische Dimension (Kirche als Geistgeschöpf, Charismen und geistliches Amt). Kein Geringerer als Joseph Ratzinger hatte davor gewarnt, den Priester „Mittler“ zu nennen, um das einzige Mittlertum Christi nicht zu verdunkeln. Dies kann geschehen, wenn das Spezifikum des priesterlichen Amtes von der Eucharistie (dem Meßopfer) her entfaltet wird. Die Abgrenzung von einem vermeintlich „bloß funktionalen“ Verständnis durch die Betonung des „Seins“ und „Seinsmäßigen“ (hinsichtlich des Handelns „in persona Christi capitis“) macht nicht nur eine schiefe Alternative auf, sondern schießt auch da über das Ziel hinaus, wo die Gleichförmigkeit mit Christus auch eine „natürliche Ähnlichkeit“ erfordern soll, also ein männliches Presbyterat und Diakonat. Die Verfasser können einzelne Formulierung des Zweiten Vatikanums heranziehen, die noch nicht durch die an Schrift und Tradition erneuerte Theologie des Konzils verändert erscheinen. Ausgeblendet werden entscheidende Weichenstellungen des Konzils und die sie entfaltende theologische Literatur. Dazu zählen auch Werke von Kardinälen, die als Dogmatikprofessoren wegweisende Beiträge verfassten (Walter Kasper, Karl Lehmann) sowie das 1969 erstmals veröffentlichte „Schreiben der deutschen Bischöfe über das priesterliche Dienstamt. Eine biblisch-dogmatische Handreichung“. Von hier gemachten Klarstellungen zu „priesterlich“, „Wesen“, „character indelebilis“ und dem dogmatischen Ansatz Karl Lehmanns, der einer der beiden Ghostwriter der Handreichung war, lässt sich eine Theologie des Diakonats entwickeln, die vor dem Zeugnis der Bibel, der Kirchenväter und des jüngsten Konzils bestehen kann.
Bernd Jochen Hilberath