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Studientag „Gehet hin und bringt den Frieden“

Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer
Datum:
Veröffentlicht: 14.1.26
Von:
Michael Schofer

Vortrag von Prof. Dr. Ursula Nothelle Wildfeuer, Professorin für christliche Gesellschaftslehre und Sozialethik der Universität Freiburg

Bei der Jahrestagung „Ständiger Diakonat“ sprach Prof. Ursula Nothelle-Wildfeuer über Diakone als „Friedensstifter und Störenfriede“. Angesichts multipler globaler und gesellschaftlicher Krisen betonte sie: Frieden ist kein Zustand, sondern ein Auftrag, der Konflikte nicht verdrängt, sondern verantwortungsvoll austrägt. Diakonisches Handeln werde dort glaubwürdig, wo es Menschenwürde, Gerechtigkeit und Teilhabe stärkt und zugleich den Mut habe, „falschen Frieden“ zu irritieren. Die Kirche dürfe sich aus gesellschaftlichen Fragen nicht zurückziehen, müsse jedoch Moralisierung vermeiden und dialogfähig bleiben. Nothelle-Wildfeuer nannte Ambiguitätstoleranz, Dialog, tragfähige Institutionen und spirituelle Verwurzelung als Voraussetzungen für Frieden im Streit. Der diakonische Dienst, so ihr Fazit, ist Friedensarbeit in kleinen Schritten – getragen von der Hoffnung auf den von Gott geschenkten, noch nicht vollendeten Schalom

Bei der Jahrestagung „Ständiger Diakonat“ sprach Prof. Ursula Nothelle-Wildfeuer über Diakone als „Friedensstifter und Störenfriede“ und stellte den diakonischen Dienst in den Horizont des liturgischen Sendungsauftrags „Geht hin in Frieden“. Frieden, so die Referentin, sei nicht bloß ein Zustand, sondern eine Aufgabe, die gerade in einer Zeit multipler Krisen („Stapelkrisen“) neu an Dringlichkeit gewinnt: Klimakrise, Kriege, Migration, wirtschaftliche Unsicherheit, soziale Spaltungen und eine zunehmend gereizte öffentliche Debattenkultur verstärkten gesellschaftlichen Unfrieden.

Nothelle-Wildfeuer beschrieb zentrale Ursachen der Polarisierung: den Verlust gemeinsamer Orientierungspunkte und sinkende Ambiguitätstoleranz, autoritäre Versuchungen in unterschiedlichen Gestalten, rechtspopulistische Vereinfachungen, digitale Echokammern sowie soziale und ökonomische Spannungen, die Angst- und Bedrohungserfahrungen fördern. In dieser Lage, so die These, werde diakonisches Handeln dort glaubwürdig, wo es Frieden nicht mit Konfliktvermeidung verwechsle, sondern Konflikte so bearbeite, dass sie Menschenwürde schützen und Veränderung ermöglichen.

Die Kirche könne sich gesellschaftlichen Fragen nicht entziehen, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu gefährden. Zugleich warnte Nothelle-Wildfeuer vor Moralisierung: Christliche Verantwortung brauche Sachkenntnis und die Anerkennung politischer und sozialer „Sachgesetzlichkeiten“. Der Friede Gottes unterscheide sich vom bloß politischen Frieden, stehe aber nicht im Gegensatz zu ihm: Er ziele auf Gerechtigkeit, Versöhnung und die Achtung der Würde jedes Menschen.

Als Voraussetzungen für „Frieden im Streit“ nannte die Referentin Ambiguitätstoleranz, dialogische Räume, tragfähige institutionelle Resonanzstrukturen sowie eine spirituelle Haltung aus Geduld, Wahrhaftigkeit und Gebet. Diakone seien Friedensstifter, indem sie Nähe, Anerkennung und Teilhabe stärken – besonders an den Rändern. Zugleich müssten sie „störenfähig“ sein, wo ein „falscher Friede“ Unrecht verdeckt: Diakonisches Handeln werde dann zur prophetischen Intervention für die Schwachen und Ausgeschlossenen. Der diakonische Dienst, so das Fazit, bleibt im Modus der Vorläufigkeit: Er arbeitet an einem gerechten Frieden in kleinen Schritten – getragen von der Hoffnung auf den kommenden, letztlich von Gott geschenkten Schalom.